Nicht trendy!
Interview mit der Antifaschistischen Koordination Köln & Umland (AKKU)
Erschienen in Lotta #31 (projekte.free.de/lotta)
Das Interview wurde geführt von Johannes Lohmann.
Lotta: Eure Kampagne "Faschismus ist nicht trendy!" gegen die so genannten "Autonomen Nationalisten" hat ja schon ganz schön Wirbel verursacht...
Claudia: In Brühl hatte der Oberbürgermeister höchstpersönlich unsere Infoveranstaltung im städtischen Jugendzentrum verboten - aus Angst vor Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken. Auf die Katholische Studierendenjugend (KSJ), die einen Ausweichort zur Verfügung gestellt hatte, hat er so viel Druck ausgeübt, dass diese ihr Angebot zurückgezogen haben. Wir mussten den Vortrag unter freiem Himmel halten und haben mit einer Demonstration im Anschluss auf dieses Verbot von Zivilcourage aufmerksam gemacht.
Benjamin: Letztendlich haben wir mit der Demo viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Und rund 200 Teilnehmer bei einer sehr kurzfristigen Mobilisierung, das zeigt auch, dass wir Support bekommen. Übrigens: Die "Autonomen Nationalisten" haben am Rande der Demo versucht, Teilnehmende anzugreifen. Zum Glück ist nicht viel passiert.
Lotta: In Pulheim haben die "Autonomen Nationalisten" sogar gegen euch demonstriert.
Claudia: In Pulheim gab es viele Vorbehalte gegenüber einer Veranstaltung von antifaschistischen Linken in einer Schule. Ein alternativer Vortrag des Jugendclub Courage wurde, nachdem es Druck durch die Polizei gegeben hatte, von der Schulleitung ebenfalls abgeblasen. Wiederum mit der Begründung, es hätte zu Ausschreitungen kommen können. Daraufhin hat sich das Netzwerk Buntes Pulheim eingeschaltet und das Ganze fand doch statt. Wir fanden es schon krass, dass dort, wo es wirklich notwendig ist, antifaschistisches Engagement verhindert wird.
Lotta: Die Ereignisse haben ja gezeigt, dass eine Kampagne gegen die "Autonomen Nationalisten" notwendig zu sein scheint...
Claudia: In Nordrhein-Westfalen hat der "autonome Stil" bei Neonazis an Bedeutung gewonnen. Neben Tags oder nazistischen Schmierereien sind "Autonome Nationalisten" bei Aufmärschen stark präsent. Aus diesem Spektrum gibt es auch eine Reihe von Einschüchterungen und Angriffen auf nichtrechte Jugendliche. Dem wollten wir etwas entgegen setzen. Die Kampagne ist für uns ein erster Schritt.
Benjamin: Wir haben bemerkt, dass hier ein Aufklärungsbedarf besteht. Selbst politisch interessierte Menschen können die Aufkleber der "AG Rheinland" mit dem Antifa-Zeichen kaum von denen der Linken unterscheiden. Und weder auf Demonstrationen noch im Alltag sind die Neonazis noch als solche erkennbar.
Lotta: Und wie schätzt ihr die Bedeutung der "AG Rheinland" ein?
Claudia: Zwar versuchen die "Autonomen Nationalisten", vor allem in ländlich bzw. kleinstädtisch geprägten Vororten, den öffentlichen Raum zu dominieren, von einer "No-Go-Area" kann jedoch noch keine Rede sein. Meist sind das sehr junge Leute, an denen unserer Einschätzung nach das Öffentlichmachen ihres Treibens sowie die Besuche der Polizei nicht ganz spurlos vorüber gegangen sind.
Benjamin: Interessant ist auch, das die "Autonomen Nationalisten" aus dem Rheinland in der NRW-Szene, im Vergleich zu anderen Köpfen, beispielsweise aus dem Ruhrgebiet, bislang nicht viel zu melden hatten - das kann sich aber noch ändern, wenn diese Leute länger in der Szene bleiben.
Lotta: Was macht Ihr denn im Rahmen der Kampagne?
Benjamin: Hauptsächlich Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben eine Broschüre herausgegeben, die auch im Internet veröffentlicht ist, und machen Vorträge. Dazu gab es ein Festival.
Lotta: Und wie geht es weiter?
Claudia: Wir haben nicht vor, die nächsten Monate noch über die Lande zu touren. Wir hoffen, dass sich auch andere motiviert fühlen, selbst in ihrem Umfeld aktiv zu werden, und dass wir diese Gruppen oder Personen unterstützen können.